Ein mieser Abend

 

 

Über der Buchhaltung gebeugt, notierte Eli die Ein- und Ausgaben ihres Cafes. Ein Teil ihrer Arbeit den sie so gar nicht mochte, deshalb war ihr der Unterbruch durch das Klopfen an der Tür richtig willkommen. Sie stellte ihre halbvolle Kaffeetasse auf den Tresen und rutschte vom Stuhl. Als sie die Tür öffnete, stand ein junger Mann, bewaffnet mit einer Bierflasche und einem Messer davor. Noch bevor sie etwas machen konnte, übergoss er sie mit dem Bier, hielt ihr das Messer unter die Nase und drängte sie ins Haus. Dort knallte er die Haustür zu und schob sie ins Wohnzimmer. Starr vor Schreck wagte sie kaum zu atmen. Der Angreifer verlangte fluchend nach Geld, doch Eli hatte nie viel Bares im Haus. Daraufhin wurde er wütend und legte die kalte Klinge an ihre Kehle. Panik stieg in Eli auf, ihr Verlobter würde bald kommen und sie hätte selten Bargeld im Haus.

Draussen hörte sie die Stimme von Lucas: „ist alles in Ordnung, Eli?“ Der Mann drückte Eli das Messer stärker an die Kehle und befahl ihr zu sagen dass alles in Ordnung sei. Beinahe krächzend rief sie Lucas zu, dass alles bestens sei. Sein *ist Gut* nahm sie nur schwach war, hörte aber wie er wegging. Ihre Hoffnung, dass er doch etwas gemerkt haben könnte, schwand rapide. Im selben Moment packte sie der Mann unsanft an den Haaren und drückte sie zu Boden. Der kurze Schmerz liess sie zusammensacken und er konnte sie mit den Gardinenkordeln am Kamingitter festbinden. Aus seiner Tasche zog er ein Taschentuch, welches er ihr in den ohnehin trockenen Mund steckte. Ihrer Lage bewusst, versuchte sie sich so ruhig wie möglich zu verhalten, auch wenn sie am liebsten laut geschrien hätte. Es blieb ihr nur den Mann nicht noch  mehr zu verärgern und merkte sich sein Aussehen, damit sie später der Polizei genau beschreiben konnte. Hatte sie doch die Hoffnung, Lucas würde ihr Verhalten seltsam finden und die Polizei rufen. Noch nie liess sie Lucas vor der Tür stehen.

Als er die Treppe auf der Suche nach brauchbaren Dingen hoch ging, nahm sie die Gelegenheit wahr und versuchte die Gardinenkordel am Kamingitter durch zu scheuern. Dabei stiess sie an den Tisch und die Vase mit der Rose fiel um, dieses Geräusch hörte er und er rannte die Treppe runter. Wieder hält er das kalte Messer an ihre Kehle, voller Angst  spürte sie Tränen über ihre Wangen laufen.

Laut polterte jemand gegen die Haustür und sie erkannte die Stimme von Rene. Sie erinnerte sich daran, dass er noch den Schlüssel zu ihrer Haustür haben müsste.  Jetzt zahlte es sich aus, diese Haustür in jedes ihrer Häuser eingebaut zu haben, einen Spleen den schon ihr Grossvater hatte. Und es war ja die Tür, die ihr Grossvater selber gebaut hatte.

Plötzlich stand Rene im Hausflur und streckte seine unbewaffnete Hände weit von sich. Mit ruhigen Worten versuchte er den Angreifer zu beruhigen. Der Mann wollte sich nicht beruhigen lassen und schrie nur, dass das Leben von Eli nun vorbei sei. Er hätte nicht bekommen was er wollte, also musste jemand dafür bezahlen.  Zitternd versuchte Eli die Fesseln zu lösen, während Rene geschickt den Mann mit seinen Worten ablenkte. Unendlich langsam bekam sie endlich eine Hand frei, löste die zweite Schlinge, sprang abrupt hoch und rempelte den Mann seitlich an. Dieser fiel über den kleinen Tisch vor dem Sofa. So schnell sie konnte, rannte sie die Treppe hoch, zog sich den Knebel aus dem Mund und  holte hektisch Luft. Von unten hörte sie wie der Mann wohl schwer zu Boden ging, die kurzen Anweisungen von Rene und erneut die besorgte Stimme von Lucas.  Oben in Sicherheit nahm sie nur am Rande wahr, dass Denis zu ihr hochkam um sich nach ihr zu erkundigen. Mit zitternder Stimme antwortete sie, dass alles gut sein. Denis bestand darauf, dass sich Eli im RTW kurz durchchecken lassen sollte um sicher zu sein. Langsam und mit weichen Knien wurde sie von Denis gestützt zum Wagen begleitet. Draussen standen Lucas und Cornelia, tapfer lächelte sie den Beiden zu. Einen Bogen um den Kerl machend, der eben von Rene in das Einsatzfahrzeug gesetzt wurde, ging sie zum RTW. Nervös legte sie sich auf die Bahre im Fahrzeug und liess die kurze Untersuchung durch den Notarzt über sich ergehen. Ausser einem leichten Kratzer der Klinge am Hals hatte sie keine sichtbaren Verletzungen.

Auf ihren eigenen Wunsch verliess sie danach den Wagen wieder ohne ins Krankenhaus eingeliefert zu werden. Lucas und Cornelia nahmen sie in ihre Mitte und gemeinsam gingen sie ins Haus zurück. Dankbar, dass Lucas die Polizei gerufen hatte. Irgendwie wimmelte es in der Küche von Polizisten, doch die nahm Eli nicht wirklich wahr. Fast automatisch gab sie die Antworten. Ihren Ausweis hatte sie noch nicht bekommen, aber Rene versichertete dem Polizisten in den Unterlagen von Bärenburg sei sie vermerkt. Als Eli hochblickte, reichte ihr Rene den Schlüssel, froh dass er ihn noch gehabt hatte, versuchte sie ihn anzulächeln

Immer noch etwas unter Schock stehend, ging sie mit dem Polizisten hoch um zu prüfen, ob und was der Verbrecher mitnehmen wollte. Ausser dem Laptop und den durchwühlten Schubladen war alles in Ordnung. Unten hörte sie Rene mit Lucas sprechen und wie offenbar Saro von der Arbeit kam. Schnell ging sie wieder nach unten und suchte nach Saro. Erleichtert schmiegte sie sich an ihn. Er würde den Kerl finden und fertig machen. Rene beruhigte ihn, der sei bereits im Gefängnis und Saro sollte sich besser um Eli kümmern. Langsam leerte sich das Haus , die Polizisten verliessen es. Rene erkundigte sich noch einmal nach Eli’s Befinden und ging dann ebenfalls.

Müde und schwach führte Saro Eli hoch ins Schlafzimmer wo sie aufs Bett fiel und unruhig einschlief.

 

 

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